„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist ...“
Mt, 22,21

… aber nicht zuviel

Steuerliche Hinweise zum Jahresende 2015

Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD)

In seinem Schreiben vom 14.11.2014 legt das Bundesfinanzministerium dar, wie die Informationstechnologie (IT) bei der Buchführung und bei sonstigen Aufzeichnungen ordnungsgemäß eingesetzt werden kann. Gleichzeitig sind in diesem Schreiben bereits seit langem gültige Regeln der Ordnungsmäßigkeit zusammengefasst, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Finanzverwaltung bei Betriebsprüfungen zukünftig strengere Anforderungen an die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung und Aufzeichnungen stellen wird.

So müssen Buchungen und Aufzeichnungen schon seit jeher

  • nachvollziehbar und nachprüfbar,
  • vollständig,
  • richtig,
  • zeitgerecht (fortlaufend),
  • geordnet und
  • unveränderbar (bzw. Änderungen protokolliert) sein.

Im Bereich elektronischer Belege und Aufzeichnungen ist insbesondere die erforderliche Unveränderbarkeit von Belegen und Aufzeichnungen in der Praxis häufig problematisch.

Für die Aufbewahrung von steuerlich relevanten Belegen und Aufzeichnungen gelten die o.g. Kriterien ebenfalls und zusätzlich muss eine Lesbarkeit und Auswertbarkeit über den gesamten Aufbewahrungszeitraum gewährleistet bleiben. Es empfiehlt sich, eine Verfahrensdokumentation anzufertigen, aus der für den gesamten Prozess vom Belegeingang über die Buchung bis hin zur Aufbewahrung hervorgeht, wie die Ordnungsmäßigkeitskriterien erfüllt werden. Gerne stellen wir Ihnen eine Muster-Verfahrensdokumentation zur Verfügung.

Um den Rahmen dieses Schreibens nicht zu sprengen, können wir an dieser Stelle nicht jedes Ordnungsmäßigkeits-Kriterium im Einzelnen abhandeln. Es folgt daher eine Auswahl der wichtigsten Konsequenzen aus dem BMF-Schreiben sowie weitere Hinweise zur Ordnungsmäßigkeit von Aufzeichnungen, die man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte.

  • Elektronische Eingangsrechnungen müssen im Original (Datei) aufbewahrt werden und nachweisbar vom richtigen Adressaten stammen (z.B. Kontrolle und Aufbewahren der zugehörigen Email).
  • Elektronische Aufzeichnungen müssen manipulationssicher sein (z.B. durch ein Dokumentenmanagementsystem, dass jede Speicherung und Änderung sicher protokolliert)
  • Grundbücher, das sind zum Beispiel Kassenbücher, Wareneingang und -ausgang, müssen zeitnah vom Unternehmer selbst (und manipulationssicher) erstellt werden.
  • Besondere Aufzeichnungspflichten gelten u.a. für Geschenke und Bewirtungen (gesonderte und zeitnahe Aufzeichnung), dies gilt auch für nicht buchführungspflichtige Unternehmen (z.B. Kleinstbetriebe, Jahresbuchhalter)
  • Mit Excel geführte Fahrtenbücher und Kassenbücher entsprechen nicht den Anforderungen der Finanzverwaltung und werden nicht anerkannt, da sie manipulierbar / änderbar sind.
  • Selbstbuchende Mandanten müssen die zeitgerechte Verbuchung beachten und die Buchungen regelmäßig und zeitnah „festschreiben.“

Buchführungsgrenzen nach § 141 AO

Für Gewerbetreibende, die nicht schon aufgrund anderer gesetzlicher Regelungen buchführungspflichtig (d.h. bilanzierungspflichtig) sind, gelten ab dem Wirtschaftsjahr 2016 neue Jahresbeträge, ab denen das Finanzamt die Buchführungspflicht vorschreibt. Die Umsatzgrenze steigt von 500.000,- € auf 600.000,- €. Die Gewinngrenze steigt von 50.000,- € auf 60.000,- €. Die Buchführungspflicht beginnt mit dem Kalenderjahr, das der Aufforderung des Finanzamtes folgt.

Betriebsveranstaltungen - Freibetrag von 110,- €

Die Frage, ob und in welcher Höhe steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn aufgrund der Teilnahme an Betriebsveranstaltungen (z.B. einer Weihnachtsfeier) bei Mitarbeitern entsteht, wurde zum 01.01.2015 neu geregelt. Pro teilnehmenden Mitarbeiter gilt pro Veranstaltung (max. zwei im Jahr) ein Freibetrag von 110,- €. Berücksichtigt werden sämtliche auf den Mitarbeiter und auf eine ihm zugeordnete Begleitperson entfallende Kosten. Beispiel: Gesamtkosten der Veranstaltung (Buffet, Saalmiete, Deko) 1.200,- €. Es nehmen das Unternehmerehepaar und 5 Mitarbeiter jeweils mit Ihrem Ehepartner teil:  Jeder Mitarbeiter hat 90,- € Arbeitslohn zu versteuern (100,- pro Mitarbeiter zzgl. 100,- für den Ehepartner abzgl. 110,- Freibetrag). Es besteht die Möglichkeit, die Lohnsteuer mit 25% zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer zu pauschalieren, wobei in diesem Fall keine Sozialversicherungspflicht besteht.

Hinweise zum Reverse-Charge-Verfahren / § 13b UstG / Bauabzugsteuer

Bei jeder Erbringung von Bauleistungen ist zu prüfen, ob ein Wechsel der Steuerschuldnerschaft nach § 13b UStG (reverse-charge-Verfahren) stattfindet und ob die sog. Bauabzugsteuer in Höhe von 15% nach § 48 EStG vom Leistungsempfänger einzubehalten ist.

Für den leistenden Unternehmer einer Bauleistung empfiehlt sich dringend die Einholung einer Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG, um den Abzug der Bauabzugsteuer zu vermeiden. Dies gilt auch für ausländische Unternehmer, die in Deutschland Bauleistungen erbringen. Daneben gilt für die Rechnungsausstellung grundsätzlich, dass eine Nettorechnung bei Bauleistungen nur dann erstellt werden kann, wenn der Leistungsempfänger selbst nachhaltig Bauleistungen erbringt und er dies durch die Finanzverwaltung bescheinigt bekommen hat (USt 1 TG).

Auftraggeber von Bauleistungen sind zur Abführung der Bauabzugsteuer verpflichtet, wenn der leistende Unternehmer keine gültige Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG vorlegen kann.

Seit November 2015 gelten als Bauleistungen auch die Herstellung von Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken, sofern sie mit einem Gebäude fest verbunden sind und nicht zerstörungsfrei wieder entfernt werden können. Dies trifft wohl auf die meisten solcher Anlagen zu. Für Wohnraumvermieter gilt eine Bagatellgrenze, bis zu der bei fehlender Freistellungsbescheinigung keine Abzugsteuer abgeführt werden muss von 15.000 € pro Jahr und Auftragnehmer. In allen übrigen Fällen beträgt die Grenze 5.000,- €.

Formalitäten im Bereich der Umsatzsteuer beachten / Zuordnung bis 31.05.

Bitte beachten Sie, dass für die Entstehung von Umsatzsteuer häufig vermeidbare (formale) Fehler verantwortlich sein können. Insbesondere für innergemeinschaftliche Lieferungen (Warenlieferungen) gelten strenge Anforderungen an den Nachweis des Gelangens des Gegenstandes in das EU-Ausland (Stichwort Gelangensbestätigung).

Eine erhöhte Umsatzsteuerschuld entsteht aber auch zum Beispiel durch die Versagung des Vorsteuerabzuges bei formellen Mängeln der Eingangsrechnung. Bitte achten Sie bei Eingangsrechnungen auf Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben auf der Rechnung. Häufige Probleme bereiten eine unzureichende Adresse des Empfängers, unzureichende Artikel- / Leistungsbeschreibung oder die fehlende Steuernummer des Rechnungsausstellers.

Werden angeschaffte Gegenstände sowohl unternehmerisch als auch nichtunternehmerisch genutzt (bspw. ein PKW), so kann der volle Vorsteuerabzug nur gewährt werden, wenn der Gegenstand zu mind. 10% unternehmerisch genutzt wird und er dem Unternehmen voll zugeordnet wird. Diese Zuordnungsentscheidung muss gegenüber den Finanzbehörden zeitnah, jedoch bis spät. 31.05. des Folgejahres, angezeigt werden. Dies geschieht in der Regel in der laufenden Finanzbuchführung über die jeweilige Umsatzsteuervoranmeldung, kann aber auch durch sonstige (schriftliche) Erklärung gegenüber dem Finanzamt erfolgen. Für den Fall, dass keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgegeben werden oder die Zuordnungsentscheidung nicht sofort getroffen werden soll, beachten Sie bitte die Ausschlussfrist des 31.05. des Folgejahres.

Abbau der kalten Progression

Der deutsche Einkommensteuertarif zeichnet sich dadurch aus, dass der Steuersatz bei steigendem Einkommen ebenfalls steigt. Steigt das Einkommen jedoch nur in Höhe der Inflation, verursacht die Steuersatzerhöhung letztlich einen Kaufkraftverlust. Daneben die Vorteile fester Größen wie Kindergeld oder Kinderfreibetrag im Laufe der Zeit durch die Geldentwertung geringer. Dieser Effekt wird allgemein als kalte Progression bezeichnet und soll künftig vermieden werden, indem der Steuertarif und andere gesetzlich definierte Grenzbeträge regelmäßig erhöht werden. Hier eine Auswahl der beschlossenen Erhöhungen:

  2014 2015 2016
Grundfreibetrag 8.354 € 8.472 € 8.652 €
Spitzensteuersatz (Grundtabelle) ab 52.882 € 52.882 € 53.665 €
Kindergeld 1. und 2. Kind 184 € 188 € 190 €
Kindergeld 3. Kind 190 € 194 € 196 €
Kindergeld jedes weitere Kind 215 € 219 € 221 €
Kinderfreibetrag (gesamt) 7.008 € 7.152 € 7.248 €
Höchstbetrag Basisvorsorge 20.000 € 22.172 € noch nicht bekannt

 

Zufluss- / Abflussprinzip - Vorverlagerung von Ausgaben, Hinauszögern von Einnahmen

Dieser Tipp hat wie jedes Jahr Gültigkeit: Ermitteln Sie Ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder erzielen Sie zum Beispiel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, so können Sie durch Vorverlagerung von Ausgaben oder durch Hinauszögern von Einnahmen den Gewinn bzw. Überschuss und damit Steuern in das nächste Jahr verlagern. Grundsätzlich sind hierbei die Zahlungszeitpunkte maßgebend.

Zu beachten ist jedoch die sog. 10-Tage-Regel, nach der regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben, die innerhalb von 10 Tagen vor oder nach Ablauf des Kalenderjahres (22.12. - 10.01.) zu- oder abfließen, dem Jahr zugerechnet werden, zu dem sie gehören (Beispiel: Miete Januar 2016 bereits am 23.12.15 bezahlt: Zurechnung zu 2016; Miete Januar 2016 am 19.12.15 bezahlt: Zurechnung zu 2015).

Freistellungsaufträge bei Banken mit gültiger Identifikationsnummer

Bitte stellen Sie sicher, dass die Bank, bei der sie einen Freistellungsauftrag hinterlegt haben, Ihre Steuer-Identifikationsnummer kennt. Ab dem 01.01.2016 sollen Freistellungsaufträge, die vor 2011 erteilt werden, nur mehr gültig sein, wenn die Identifikationsnummer hinterlegt wurde.

Ausblick auf weitere geplante Reformen und Änderungen:

Investitionsabzugsbetrag / § 7g EStG

Erfreulich sind die geplanten Erleichterungen im Bereich des Investitionsabzugsbetrages (IAB). So muss bei IAB, die ab dem Wirtschaftsjahr 2016 gebildet werden, keine Nennung der Funktion des anzuschaffenden Wirtschaftsgutes mehr erfolgen, ebensowenig muss die Investitionsabsicht nachgewiesen werden. Desweiteren wird es die Möglichkeit geben, gebildete IAB während eines Zeitraumes von drei Jahren anzupassen, d.h. auf- oder abzustocken. Hierdurch erhält dieses Instrument mehr Gestaltungsspielraum. Zu beachten wird jedoch weiterhin die Rückwirkung der Auflösung von IAB sein, die zu Nachzahlungszinsen führen kann.

Stand der Erbschaftsteuerreform

Bekanntlich hat das Bundesverfassungsgericht Teile des derzeit gültigen Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts (zum wiederholten Male) als verfassungswidrig bezeichnet und dem Gesetzgeber aufgetragen, bis 30.06.2016 neue verfassungskonforme Regelungen zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die sog. Verschonungsregeln bei der Übertragung von Betriebsvermögen, durch die bei Einhaltung bestimmter Lohnsummen in einem bestimmten Zeitraum nach der Übertragung des Betriebes weitgehende oder volle Steuerfreiheit bezüglich des übertragenen Betriebsvermögens eintritt. Diese Lohnsummenregeln sollen nach dem derzeit vorliegenden Referentenentwurf verschärft werden. Nachfolgeplanungen sollten die Neuregelungen berücksichtigen.

Veräußerung von Streubesitzanteilen in einer GmbH / § 8b KStG

Nachdem ab 01.03.2013 für Kapitalgesellschaften die Steuerfreiheit von Ausschüttungen bzw. Dividenden von sog. Streubesitzanteilen (Beteiligung unter 10%) abgeschafft wurde, will der Gesetzgeber ab 2018 auch die Veräußerungsgewinne solcher Anteile körperschaftsteuerpflichtig machen.

Zurück