„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist ...“
Mt, 22,21

… aber nicht zuviel

Verlustverrechnungsmöglichkeiten bei Kapitalanlagen und letztmalige Verrechnung von (Aktien-)Altverlusten nach § 23 EStG in 2013 !

Bis 2008: Private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG:

Bis inklusive 2008 waren Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen als sog. privates Veräußerungsgeschäft steuerfrei, wenn die Haltefrist mehr als ein Jahr betrug („Spekulationsfrist“). Umgekehrt blieben Verluste aus Veräußerungen von Aktien oder anderen Kapitalanlagen bei einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerlich unberücksichtigt. Wurden die Verluste innerhalb eines Jahres realisiert, so konnten sie nur mit Gewinnen verrechnet werden, die aus anderen sog. privaten Veräußerungsgeschäften entstanden sind (Haltedauer Kapitalanlagen aller Art: bis 1 Jahr, Immobilien: bis 10 Jahre). Eine Verlustverrechnung mit anderen Einkunftsarten war ausgeschlossen. Nicht ausgeglichene Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften wurden und werden vom Finanzamt durch einen gesonderten Bescheid zum 31.12. des jeweiligen Jahres festgestellt und somit für Folgejahre verwendbar gemacht. In diesen Verlustvortragsbescheiden werden nicht ausgeglichene Verluste aus privaten Veräußerungen wie folgt bescheinigt:


„Der verbleibende Verlustvortrag wird nach § 10d Abs. 4 EStG für die…
Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften i.S.d. § 23 EStG in der bis
zum 31.12.2008 anzuwendenden Fassung auf … XXX EUR
festgestellt.“


Diese Altverluste nach § 23 EStG können weiterhin zeitlich unbeschränkt mit zukünftigen Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Aber...


2009: Herausnahme der Kapitalanlageveräußerungen aus § 23 EStG und Abgeltungsteuer:

Seit dem Jahr 2009 und der Einführung der sog. Abgeltungsteuer unterliegen auch Gewinne aus Veräußerungen von Aktien und anderen Kapitalanlagen der sog. Abgeltungsteuer, unabhängig vonder Haltedauer. Diese Veräußerungsgewinne fallen also nicht mehr unter die Kategorie privates Veräußerungsgeschäft und stehen damit zukünftig auch nicht mehr zur Verlustverrechnung mit o.g. Alt-Verlusten zur Verfügung. Zukünftige private Veräußerungsgeschäfte kommen somit nur noch bei Immobilienveräußerungen innerhalb einer Spekulationsfrist von 10 Jahren oder bei Veräußerungen anderer Gegenstände wie z.B. physischen Edelmetallen innerhalb einer Frist von einem Jahr in Betracht. Die Verlustverrechnungsmöglichkeit für die o.g. Alt-Verluste nach § 23 EStG wurde also, insbesondere für Verluste aus Veräußerungen von Kapitalanlagen (inkl. Aktien), stark eingeschränkt.


Übergangsregelung - nur noch in 2013 !

Wegen dieser Einschränkung der Verlustausgleichsmöglichkeiten hat der Gesetzgeber eineÜbergangsfrist bis Ende 2013 eingeräumt, innerhalb derer auf Antrag (im Rahmen der Einkommensteuererklärung) auch Gewinne aus heutigen Veräußerungen von Kapitalvermögen zur Verlustverrechnung herangezogen werden können, um die o.g. Altverluste nach § 23 EStG auszugleichen. Danach verbleiben zur Verlustverrechnung nur mehr die wenigen verbliebenen zukünftigen privaten Veräußerungsgeschäfte und damit in vielen Fällen faktisch der steuerliche
Untergang dieser Verlustvorträge.

Verluste seit 2009 - Verlusttöpfe:

Seit 2009 entstandene Verluste aus Veräußerungen von Kapitalanlagen können grundsätzlich nur mehr mit Gewinnen aus Veräußerungen von Kapitalanlagen verrechnet werden. Für seit 2009 entstandene Verluste aus Aktienveräußerungen (Teilmenge der Kapitalanlagen) ist die Verrechnung noch strenger geregelt, da diese Verluste nur mit Gewinnen aus Aktienveräußerungen verrechnet werden können. Die Verrechnung von Aktienverlusten mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen ist nicht mehr möglich.
Wegen dieser Verrechnungsbeschränkungen bei Neuverlusten aus Kapitalanlagen müssen die depotführenden Banken ab 2009 sog. „Verlusttöpfe“ bescheinigen, ähnlich wie es auch das Finanzamt mit den vortragsfähigen Verlusten macht. Hierbei muß die Bank unterscheiden zwischen Aktienveräußerungsverlusten und sonstigen Veräußerungsverlusten. Die zum Jahresende festgestellten Verlusttöpfe werden im Normalfall von derselben Bank in das nächste Jahr mitgenommen und stehen somit für die interne Verlustverrechnung zur Verfügung.


Bankbescheinigungen bis zum 15.12. beantragen:

Wenn Sie Depots bei mehreren Banken besitzen, bietet es sich unter Umständen an, auf Antrag bis zum 15.12. eines Jahres Bescheinigungen der depotführenden Banken über die dort jeweils vorhandenen Verlusttöpfe zu verlangen. Mit Hilfe dieser Bescheinigungen können die Verlusttöpfe der einen Bank auf eine andere Bank übertragen werden.
Dies ist sinnvoll, wenn beispielsweise ein Depot bei der Bank X im Minus ist und ein Depot bei der Bank Y Gewinne aufweist. Ohne Beantragung der Bescheinigung müßte Bank X die Verlusttöpfe feststellen für eine zukünftige Verrechnung mit Gewinnen, die im Depot bei Bank X anfallen. Bank Y wiederum müßte die entstandenen Gewinne voll der Versteuerung (Abgeltungssteuer) zuführen. Durch Einholen der Verlustbescheinigung bei Bank X haben Sie die Möglichkeit, diese Verluste außerhalb des Depots bei Bank X zu verwenden. Die Bank X stellt gleichzeitig ihre Verluste dort auf „Null.“ Die Verlustbescheinigung der Bank X kann der Bank Y übergeben werden, die somit eine
Verrechnung vornehmen und weniger bzw. keine Abgeltungssteuer einbehalten wird. Da diese Bescheinigung auch gegenüber dem Finanzamt und für Alt-Verluste verwendbar ist, könnte es für Sie daher sinnvoll sein, sich in diesem Jahr rechtzeitig um entsprechende Bescheinigungen der depotführenden Banken zu bemühen, um sich alle Möglichkeiten der Verlustverrechnung offenzuhalten, insbesondere in Hinblick auf die vom Finanzamt festgestellten Alt-Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften. Dies gilt selbstverständlich auch, wenn Sie nur ein Depot bei einer Bank besitzen.
Manche Banken bieten auch spezielle Finanzprodukte an, die zum Ziel haben, Altverluste in Neuverluste umzuwandeln, gegen entsprechende Gebühr versteht sich. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, daß ich als Steuerberater diesbezüglich keinerlei Empfehlungen abgeben möchte und dies ohnehin nicht darf.

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