„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist ...“
Mt, 22,21

… aber nicht zuviel

Steuerliche Hinweise zum Jahresende 2014

Auch im Jahr 2014 waren der Gesetzgeber und die Rechtsprechung im Steuerrecht nicht untätig und haben uns zahlreiche Neuerungen gebracht - zum Teil mit hohem Verwaltungsaufwand verbunden.

Im Folgenden möchten wir Sie hauptsächlich auf die im Jahr 2015 anstehenden Änderungen aufmerksam machen und einige allgemeine Tipps geben.

 

1. Zufluss- / Abflussprinzip - Vorverlagerung von Ausgaben, Hinauszögern von Einnahmen

Dieser Tipp hat wie jedes Jahr Gültigkeit: Ermitteln Sie Ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder erzielen Sie zum Beispiel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, so können Sie durch Vorverlagerung von Ausgaben oder durch Hinauszögern von Einnahmen den Gewinn bzw. Überschuss und damit Steuern in das nächste Jahr verlagern. Grundsätzlich sind hierbei die Zahlungszeitpunkte maßgebend.

Zu beachten ist jedoch die sog. 10-Tage-Regel, nach der regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben, die innerhalb von 10 Tagen vor oder nach Ablauf des Kalenderjahres (22.12. - 10.01.) zu- oder abfließen, dem Jahr zugerechnet werden, zu dem sie gehören (Beispiel: Miete Januar 2015 bereits am 23.12.14 bezahlt: Zurechnung zu 2015; Miete Januar 2015 am 19.12.14 bezahlt: Zurechnung zu 2014).

 

2. Gesetzlicher Mindestlohn ab 01.01.2015

Ab dem 01.01.2015 gilt in Deutschland flächendeckend ein gesetzlicher Mindestlohn, über den wir Sie bereits in einem unserer Rundschreiben informiert haben. Bitte stellen Sie sicher, dass die Vereinbarungen mit Ihren Arbeitnehmern den Anforderungen entsprechen und beachten Sie die neuen Aufzeichnungspflichten bei geringfügigen Beschäftigungen. Sofern Sie Subunternehmer beauftragen, sollten Sie sich in Zweifelsfällen schriftlich bescheinigen lassen, dass diese ihren Mitarbeiten mindestens den gesetzlichen Mindestlohn bezahlen.

 

3. Künstlersozialabgabe - Schwerpunkt bei künftigen Betriebsprüfungen

Durch das ab 2015 geltende „Gesetz zur Stabilisierung des Künstlersozialabgabesatzes“ soll eine regelmäßige Überprüfung der Auftraggeber sichergestellt werden, um den Beitragssatz von derzeit 5,2% auch in Zukunft konstant zu halten. Die Deutsche Rentenversicherung ist hierdurch verpflichtet, die korrekte Abführung der Abgabe bei den Betrieben in Zukunft intensiver zu überwachen.

Zur Erinnerung: Die Künstlersozialabgabe wird fällig, wenn Sie nicht nur gelegentlich Aufträge an Künstler oder Publizisten vergeben zum Beispiel als Verwerter, aber auch für Eigenwerbung oder andere unternehmerische Zwecke. Weitere Informationen können Sie auf unserer Homepage oder unter www.kuenstlersozialkasse.de erhalten.

 

4. Anpassung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung an das digitale Zeitalter

Am 14.11.2014 veröffentlichte das Bundesfinanzministerium (BMF) seine Auffassung von „Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoDB).

Wichtigstes Kriterium für die Ordnungsmäßigkeit elektronischer Aufzeichnungen und für die Aufbewahrung elektronischer Belege ist deren Unveränderbarkeit, um nachträgliche Manipulationen zu verhindern.

In der Praxis bedeutet dies, dass die eingesetzten Buchführungssysteme es ermöglichen müssen, Buchungen „festzuschreiben.“ Das BMF fordert eine zeitnahe Erfassung und Festschreibung spätestens mit der Einreichung der Umsatzsteuervoranmeldung. Die von uns eingesetzte Buchführungssoftware von DATEV genügt den Anforderungen der Festschreibung.

Elektronische Belege müssen unverändert und während der gesamten Aufbewahrungsfrist (in der Regel zehn Jahre) lesbar bleiben. Das gleiche gilt für die sog. Grundbuchaufzeichnungen und für alle anderen steuerrelevanten Dokumente.

Verstöße gegen die GoDB können dazu führen, dass das Finanzamt bei Betriebsprüfungen Hinzuschätzungen vornimmt.

 

5. KiStAM: Registrierung und Sperrvermerk

Ab dem Jahr 2015 sind alle gewinnausschüttenden Stellen (Banken und Kapitalgesellschaften) verpflichtet, den Kirchensteuereinbehalt nach den beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) hinterlegten Kirchensteuerabzugsmerkmalen (KiStAM) vorzunehmen. Hierfür müssen in der Regel jährliche Abfragen beim BZSt erfolgen. Sofern Sie als UG, GmbH oder AG noch nicht beim BZSt für diese Regelabfragen registriert sind, holen Sie dies bitte umgehend nach.

Möchten Sie als Empfänger von Ausschüttungen keine Informationen über Ihre Kirchenzugehörigkeit herausgeben, so müssen Sie bis zum 30.06. einen sog. Sperrvermerk beim BZSt setzen. Das hierfür erforderliche Formular wird Ihnen in der Regel bereits von Ihren Banken zugeschickt worden sein, es kann jedoch auch beim BZSt heruntergeladen werden (FMS010156).

 

6. Neue Größenklassen für Kapitalgesellschaften

Durch das sog. Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRuG) sollen rückwirkend ab Wirtschaftjahren, die nach dem 31.12.2013 beginnen, folgende handelsrechtliche Größenklassen gelten.

 

„Kleinst“

Klein

Mittel

Groß

Bilanzsumme

 

bis 350.000 €

> 350.000 € bis 6.000.000 €

> 6.000.000 € bis 20.000.000 €

> 20.000.000 €

Umsatz

 

bis 700.000 €

> 700.000 € bis 12.000.000 €

>12.000.000 € bis 40.000.000 €

> 40.000.000 €

Mitarbeiter

 

bis 10

> 10 bis 50

> 50 bis 250

> 250

Für die Einstufung gilt: Wenn mindestens zwei der drei Kriterien an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen nicht überschritten werden, ist die Kapitalgesellschaft der jeweils niedrigeren Kategorie zuzuordnen.

 

7. Vorsteuerabzug erfordert Zuordnungsentscheidung zum Unternehmensvermögen

Der Vorsteuerabzug auf bezogene Lieferungen und Leistungen ist bekanntlich u.a. davon abhängig, dass der Gegenstand bzw. die Leistung für das eigene Unternehmen bezogen wird. Bei nur teilweise unternehmerisch genutzten Gegenständen wie zum Beispiel einem auch privat genutzten PKW, muss nach Ansicht der Finanzverwaltung eine Zuordnungsentscheidung (Unternehmen oder Privatvermögen) getroffen werden. In der Regel geschieht dies durch Geltendmachung des Vorsteuerabzuges in der laufenden Buchführung.

Sofern jedoch keine laufende Buchhaltung erstellt wird, ist unbedingt darauf zu achten, dass die Zuordnungsentscheidung bis spätestens zum 31.05. des Folgejahres gegenüber der Finanz-verwaltung offengelegt wird.

 

8. Auf elektronischem Weg erbrachte Dienstleistungen an Nicht-Unternehmer

Auf elektronischem Weg erbrachte Dienstleistungen sind nach Verwaltungsauffassung solche, die weitgehend automatisiert und nur mit minimaler menschlischer Beteiligung mit Hilfe elektronischer Netze (v.a. über das Internet) erbracht werden. Beispiele: Bereitstellung von kostenpflichtigen Musikdateien, Texten oder Grafiken auf Webseiten, Bereitstellung von Webspace oder automatisch generierte Dienstleistungen über Serverapplikationen. Nicht hierunter fällt jedoch die Entwicklung dieser Produkte (Software, Websites etc.), da hierbei ein hohes Maß an menschlicher Beteiligung erforderlich ist.

Durch die Neuregelung werden diese auf elektronischem Weg erbrachten Dienstleistungen in jedem Fall in dem Land der Umsatzsteuer unterworfen, in dem der Leistungsempfänger ansässig ist.

Für Kunden, die selbst Unternehmer sind, gilt bereits seit 2010 die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers (kein Ust-Ausweis).

Durch die Gesetzesänderung aufgrund von EU-Vorgaben zum 01.01.2015 entsteht die Umsatzsteuer nun auch für nichtunternehmerische Kunden im Empfängerland. Jedoch gilt hier nicht die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers, da dieser als Nichtunternehmer keine Umsatzsteuer anzumelden hat. Grundsätzlich müsste sich also der leistende Unternehmer in den jeweiligen Ländern umsatzsteuerlich registrieren lassen und die entsprechenden Umsätze der dortigen Umsatzbesteuerung unterwerfen.

Aus Vereinfachungsgründen führt der Gesetzgeber das sog. „mini-one-stop-shop“-Verfahren (MOSS) ein, mit dem der leistende Unternehmer sämtliche solcher Umsätze in seinem Heimatland bei einer sog. „Kleinen Einzigen Anlaufstelle“ (KEA) anmelden und die entsprechende Umsatzsteuer abführen kann. In Deutschland übernimmt das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) diese Aufgabe. Die Umsätze und Steuern sind jeweils bis zum 20. nach Ablauf eines Kalendervierteljahres anzumelden.

Sollten Sie solche Leistungen an Nichtunternehmer im Ausland erbringen und das MOSS-Verfahren nutzen wollen, so müssen Sie sich hierfür rechtzeitig beim Online-Portal des BZSt anmelden. 

 

9. Vorausgefüllte Steuererklärung - neue Vollmachtsmuster

Im Bereich der Einkommensteuer werden mehr und mehr Sachverhalte automatisch an die entsprechenden Finanzämter gemeldet, zur Zeit u.a. erhaltene Renten, erhaltener Arbeitslohn, bezahlte Krankenversicherungs- oder Altersvorsorgebeiträge etc. Da diese Daten zur Erstellung der jährlichen Einkommensteuer gebraucht werden, müssen sie auch dem Steuerberater zur Verfügung gestellt werden.

In absehbarer Zukunft will die Finanzverwaltung aus Vereinfachungsgründen eine sog. „vorausgefüllte Steuererklärung“ ermöglichen. Hierbei wird die jeweilige Einkommensteuererklärung bereits mit den beim Finanzamt vorliegenden Daten ausgefüllt sein und lediglich durch noch nicht gemeldete Sachverhalte ergänzt werden müssen.

Um als Berater auf die beim Finanzamt gespeicherten Daten automatisch zugreifen zu können, wird eine neue Vollmacht nach amtlichem Muster benötigt, da diese Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt sein müssen. Wir werden Sie demnächst mit der Bitte anschreiben, uns eine solche Vollmacht zu erteilen, um die Bearbeitung Ihrer vorausgefüllten Steuererklärung zu ermöglichen.

 

10. Erstausbildung oder Ausbildung, Sonderausgaben oder Werbungskosten

Nach der derzeit geltenden Rechtslage können Erstausbildungs- oder Erststudiumskosten nur im Rahmen der sog. Sonderausgaben bis zu max. 6.000,- € p.a. geltend gemacht werden, die sich steuerlich nur dann auswirken, wenn im selben Jahr Einkünfte erzielt werden. Einen Verlustvortrag für Sonderausgaben gibt es nicht.

Ausbildungskosten nach Absolvierung der Erstausbildung oder des Erststudiums können dagegen in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Sofern keine Einkünfte im selben Jahr erzielt werden, führen diese Ausgaben somit zu negativen Einkünften, die ein Jahr zurück oder in die Zukunft vorgetragen und dort mit späteren Einkünften verrechnet werden können.

Der Gesetzgeber will auf Drängen der Finanzverwaltung ab 2015 Ausbildungskosten aber nur mehr dann annehmen, wenn der Steuerpflichtige vorher eine mindestens 18-monatige, nach öffentlichen Vorschriften geordnete Erstausbildung durch eine Abschlussprüfung bzw. durch reguläre Beendigung abgeschlossen hat. Anderenfalls wären die Ausbildungskosten als Erstausbildung zu verstehen mit der Folge, dass sie nur als Sonderausgaben zu berücksichtigen sind.

Ob die Unterscheidung zwischen Erst- und (Folge-)Ausbildung sowie die betragsmäßige Begrenzung des Sonderausgabenabzuges verfassungsgemäß sind, wurde vom BFH in zwei Urteilen bezweifelt und zur Klärung dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) vorgelegt. Mit einer Entscheidung ist wohl frühestens im übernächsten Jahr zu rechnen.

Sofern Ihnen oder Ihren Kindern hohe Erst- oder (Folge-)Ausbildungskosten entstanden sind, sollte geprüft werden, ob diese als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden sollen. Gegen die ablehnenden Steuerbescheide ist sodann Einspruch einzulegen und auf das Verfahren vor dem BVerfG zu verweisen.

 

11. Darlehen an nahestehende Personen - BFH bestätigt Anwendung des günstigen Steuersatzes

Grundsätzlich sind erhaltene Darlehenszinsen mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern, wenn Darlehensgeber und -nehmer einander „nahestehende Personen“ sind. Der BFH hat in zwei Urteilen nunmehr jedoch klargestellt, was er unter nahestehenden Personen versteht. Es kommt hiernach nicht auf ein Verwandtschaftsverhältnis an, sondern nur, ob ein sog. Beherrschungsverhältnis vorliegt, d.h. „dass der beherrschten Person aufgrund eines absoluten Abhängigkeitsverhältnisses im Wesentlichen kein eigener Entscheidungsspielraum verbleibt.“

In der Regel wird es zwischen erwachsenen Angehörigen aber kein derartiges Beherrschungs-verhältnis geben, so dass derjenige, der die Zinsen erhält, hierfür nur den Kapitalertragsteuersatz von 25% zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer zu zahlen hat. Der Darlehensnehmer kann die Schuldzinsen, sofern das Darlehen einer Einkunftsart (z.B. Vermietung) zuzuordnen und fremdüblich ist, zu seinem persönlichen Steuersatz geltend machen.

 

12. Immobilienkredite - Nachträgliche Werbungskosten und Vorfälligkeitsentschädigungen

Der BFH hat im Bereich der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung klargestellt, dass nach dem Verkauf einer Immobilie anfallende Schuldzinsen weiterhin abzugsfähig bleiben, wenn der Verkaufserlös vollständig zur Tilgung verwendet wird, er aber nicht ausgereicht hat, um das bzw. die Darlehen ganz abzulösen. Dies gilt unabhängig davon, ob das Objekt innerhalb oder außerhalb der 10-Jahres-Frist veräußert wurde.

Vorfälligkeitsentschädigungen sind nur dann abzugsfähig, wenn nach der Umschuldungsmaßnahme ausnahmsweise weiterhin die Vermietungsabsicht der Immobilie nachweisbar ist.

Soll die Darlehensablösung aber den Verkauf der Immobilie erleichtern, so besteht nach Ansicht des BFH kein Zusammenhang mit der Vermietung und die Kosten sind nicht als Werbungskosten abziehbar. Sie mindern dann einen eventuell steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn.

 

13. Erneute Verschärfung bei Betriebsveranstaltungen

Nachdem der BFH im letzten Jahr durch zwei Urteile für Erleichterung gesorgt hat, will der Gesetzgeber die Regelung zu Betriebsveranstaltungen zum 01.01.2015 kurzerhand wieder verschärfen. Geplant ist, pro teilnehmenden Arbeitnehmer die Freigrenze, ab der steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn in voller Höhe entsteht, auf 150,- € zu erhöhen, jedoch werden nunmehr sämtliche Kosten der Veranstaltung berücksichtigt, auch z.B. die Saalmiete. Daneben werden wieder die Kosten für Begleitpersonen der Arbeitnehmer diesen zugerechnet. Ist zum Beispiel auch der Ehegatte des Arbeitnehmers eingeladen, so reduziert sich die Freigrenze faktisch auf 75,- €.

Nachtrag: Durch einen neuen Gesetzesentwurf soll in Zukunft keine Freigrenze von 150,- €, sondern ein Freibetrag von 110,- € eingeführt werden. Sobald klar ist, welche Variante tatsächlich gelten wird, informieren wir Sie an dieser Stelle.

 

14. Erhöhung Freigrenze für Aufmerksamkeiten

Die Freigrenze für Aufmerksamkeiten an Arbeitnehmer aus Anlass eines persönlichen Ereignisses (Geburtstag, Hochzeit etc.) wird ab 2015 von 40,- € auf dann 60,- € pro Monat erhöht.

 

15. Eckwerte und Rechengrößen in der Sozialversicherung

Ab 01.01.2015 gelten folgende Sozialversicherungsbeiträge: (2014 in Klammern)

  • Krankenversicherung: 14,60%*  (15,50%)
  • Pflegeversicherung: 2,35%  (2,05%)
  • Rentenversicherung: 18,70%  (18,90%)
  • Arbeitslosenversicherung: 3,00%  (3,00%)

*) Die Krankenkassen können je nach Kassenlage Zusatzbeiträge vom Arbeitnehmer erheben. Dieser beträgt durchschnittlich 0,90%. Der Arbeitgeberanteil bleibt konstant bei 7,30%.

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