„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist ...“
Mt, 22,21

… aber nicht zuviel

Steuerliche Hinweise zum Jahresende 2013

Auch im Jahr 2013 gab es wieder diverse Änderungen und Anpassungen des Steuerrechts und anderer Gesetze, und das trotz des langen Wahlkampfes und der lange andauernden Koalitions-verhandlungen. Wir möchten Sie auf den folgenden Seiten auf einige für Sie relevante Neuerungen gesondert hinweisen und einige allgemeine Tips geben.

1. Anpassungen im Einkommensteuer-Tarif

Der Einkommensteuer-Grundfreibetrag wird ab 2014 von derzeit 8.130 € auf dann 8.354 € pro Person angehoben. Danach beginnt im Einkommensteuertarif die sogenannte Progressionszone für zu versteuernde Einkommen von 8.355 € bis 52.881 € mit Steuersätzen von 14% bis 42%. Ab einem zu versteuernden Einkommen von 52.882 € wird der Spitzensteuersatz von 42% angewendet und ab 250.731 € beträgt dieser 45%. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuern.

2. Änderungen des Reisekostenrechts

Das steuerliche Reisekostenrecht wird ab 2014 grundlegend geändert und zum Teil vereinfacht.

Für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte wird ab 2014 eine sog. „ersten Tätigkeitsstätte“ des Arbeitnehmers eingeführt, die der Arbeitgeber festlegt. Ein Arbeitnehmer kann nur eine einzige erste Tätigkeitsstätte haben. Die Festlegung durch den Arbeitgeber sollte wenn möglich noch in 2013 erfolgen, um Streitigkeiten mit dem Finanzamt in Zweifelsfällen zu vermeiden. Ansonsten werden zeitliche Kriterien (arbeitstäglich, 2 volle Arbeitstage, 1/3 der Arbeitszeit) angewendet. Die Zuordnung kann im Arbeitsvertrag geregelt sein („Einsatzort“) oder anderweitig dokumentiert werden. Nur für die Wege von der Wohnung bis zur ersten Tätigkeitsstätte gilt die Entfernungspauschale von 0,30 € / km. Sämtliche anderen Fahrtwege werden mit den km-Pauschalen pro gefahrenem Kilometer berechnet, bei PKWs 0,30 € / km.

Die Pauschalen für den Verpflegungsmehraufwand wurden neu geregelt. Bei eintägigen auswärtigen Tätigkeiten kann bei Abwesenheit von mehr als 8 Stunden eine Pauschale von 12,- € in Anspruch genommen werden. Bei mehrtägiger Abwesenheit gilt für den Anreise- und Abreisetag jeweils die Pauschale von 12,- €, für die dazwischenliegenden Tage eine Pauschale von 24,- €. Wenn dieselbe auswärtige Tätigkeitsstätte mehr als drei Monate aufgesucht wird, entfallen die Pauschalen ab Überschreiten der Dreimonatsfrist.

Beruflich veranlaßte Unterkunftskosten im Rahmen von Auswärtstätigkeiten können unbegrenzt steuerlich geltend gemacht oder von Arbeitgeber übernommen werden. Ab dem 49. Monat einer Auswärtstätigkeit an derselben inländischen Tätigkeitsstätte dürfen nur 1.000,- € monatlich erstattet werden, im Ausland gilt diese Beschränkung nicht.

Bei einer doppelten Haushaltsführung muß sich der Steuerpflichtige an den Kosten der Wohnung am Lebensmittelpunkt zu mindestens 10% beteiligen. Bei Ehegatten/Lebenspartnern mit der Steuerklassen-Kombination III und V wird dies als gegeben angesehen, ansonsten sind Nachweise erforderlich. Die Kosten des doppelten Haushaltes können bis zu 1.000,- € pro Monat geltend gemacht werden. Wird dieser Betrag nicht ausgeschöpft, so kann er auf die Folgemonate im selben Kalenderjahr übertragen werden, z.B. bei Betriebskostennachzahlungen. Die Größe der Wohnung und die ortsübliche Miete spielen keine Rolle mehr.

3. Zufluß- / Abflußprinzip - Vorverlagerung von Ausgaben, Hinauszögern von Einnahmen

Ermitteln Sie Ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuß-Rechnung, so können Sie durch Vorverlagerung von Ausgaben oder durch Hinauszögern von Einnahmen den Gewinn und damit Steuern in das nächste Jahr verlagern. Grundsätzlich sind hierbei die Zahlungszeitpunkte maßgebend.

Zu beachten ist jedoch die sog. 10-Tage-Regel, nach der regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben, die innerhalb von 10 Tagen vor oder nach Ablauf des Kalenderjahres (22.12. - 10.01.) zu- oder abfließen, dem Jahr zugerechnet werden, zu dem sie gehören (Beispiel: Miete Januar 2014 bereits am 23.12.13 bezahlt: Zurechnung zu 2014; Miete Januar 2014 am 19.12.13 bezahlt: Zurechnung zu 2013).

4. Vorauszahlung von Basis-Krankenversicherungsbeiträgen

Viele private Krankenversicherungen bieten die Möglichkeit, Beiträge vorauszuzahlen. Dies kann aus mehreren Gründen vorteilhaft sein. Erstens können im Jahr der Zahlung bis zu 2,5 Jahresbeiträge zur Basisabsicherung steuerlich geltend gemacht werden. Zweitens kann hierdurch ein evt. günstigerer Beitrag gesichert werden. Drittens können in der Folge andere Versicherungen wie Haftpflicht- oder Unfallversicherungen wieder steuerlich geltend gemacht werden, da der Höchstbetrag für solche Versicherungen dann nicht bereits durch die Beiträge zur Basiskrankenversicherung ausgeschöpft ist.

5. Eingetragene Lebenspartnerschaften

…sind nach mehreren Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes der Ehe steuerlich gleichzustellen. Es ist für eingetragene Lebenspartner/innen nunmehr u.a. möglich, die Zusammen-veranlagung unter Anwendung der Splittingtabelle zu wählen, die Lohnsteuerklassen gemeinsam zu wählen und die besonderen Freibeträge bei der Erbschaftsteuer in Anspruch zu nehmen. Das Wahlrecht zur Zusammenveranlagung kann auch rückwirkend ausgeübt werden, sofern die ESt-Veranlagungen mindestens einer der beiden Lebenspartner noch nicht bestandskräftig sind.

6. Immobilienkredit - Nachlaufende Schuldzinsen und Auf-Valutierung

Der BFH durch Urteil (IX R 67/10) klargestellt, daß Schuldzinsen für eine bereits veräußerte Immobilie noch abziehbar bleiben, wenn der Veräußerungserlös voll zur Darlehenstilgung verwendet wurde, jedoch hierfür nicht ausreichte und wenn die Veräußerung innerhalb von 10 Jahren erfolgte.

In Zeiten sehr niedriger Zinsen bieten die Banken häufig auch eine sog. Auf-Valutierung auf einen Immobilienkredit an, dessen Zinsbindungsfrist ausläuft. Hierbei werden neben der Restschuld weitere Darlehensmittel aufgenommen, da aufgrund des niedrigeren Zinses die Raten insgesamt nicht steigen. Der BFH versagt mit Urteil (IX R 35/11) den weiteren Schuldzinsabzug auf diesen zusätzlichen Darlehensanteil, wenn er nicht für eine steuerliche Einkunftsart verwendet wird.

7. Grunderwerbsteuer-Erhöhung

Der Grunderwerbsteuersatz in Berlin wird zum 01.01.2014 von 5% auf 6% angehoben. Die Spanne der Grunderwerbsteuersätze in Deutschland reicht in 2014 von 3,5% (Bayern, Sachsen) bis 6,5% (Schleswig-Holstein). Maßgebend für den jeweiligen Steuersatz ist in der Regel der Abschluß des Kaufvertrages, nicht Übergang von Nutzen und Lasten oder Zeitpunkt der Kaufpreiszahlung.

8. Zivilprozeßkosten

...konnten bislang aufgrund BFH-Rechtsprechung unter bestimmten Voraus-setzungen steuerlich als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Durch eine Gesetzesänderung sind solche Kosten ab 2013 nur mehr in „existenzbedrohenden“ Fällen absetzbar. Nähere Ausführungen hierzu hat der Gesetzgeber nicht gemacht.

9. Stärkung des Ehrenamtes

Rückwirkend zum 01.01.2013 trat das „Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes“ in Kraft. Wichtigste Änderungen sind die Erhöhungen von Übungsleiterpauschale von 2.100,- € auf 2.400,- € pro Jahr und des Ehrenamtsfreibetrages von 500,- € auf 720,- € pro Jahr.

10. Rücklagenbildung im steuerbegünstigten Verein

Die Bildung von Rücklagen im steuerbegünstigten Verein wurde dahingehend erleichtert, daß es für eine zeitnahe Mittelverwendung ausreicht, die zugeflossenen Mittel innerhalb von drei anstatt zwei Jahren für Satzungszwecke zu verwenden (Jahr des Zuflusses zzgl. weitere zwei Kalenderjahre). Daneben ist es steuerlich unschädlich, zugeflossene Mittel der sog. freien Rücklage zuzuführen. Diese freie Rücklage beträgt 10% der Bruttoeinnahmen des ideellen Bereiches zzgl. ein Drittel des Überschusses aus der Vermögensverwaltung zzgl. 10% der Überschüsse aus Zweck- und wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben. Unterlassene Zuführungen eines Kalenderjahres können in den zwei folgenden Kalenderjahren nachgeholt werden.

11. Neue Zuwendungsbescheinigungen ab 2014

Das Bundesfinanzministerium hat mit Schreiben vom 07.11.2013 (IV C 4 - S 2223/07/0018 : 005) neue verbindliche Muster für Zuwendungsbescheinigungen herausgegeben, die ab 01.01.2014 zu verwenden sind. Wortwahl und Reihenfolge der vorgegebenen Textpassagen sind beizubehalten, Umformulierungen sind unzulässig. Sie können die Muster auf unserer Homepage abrufen (Downloadbereich).

12. SEPA

Durch die Einführung der sog. „single euro payments area“ (SEPA) wird der Zahlungsverkehr innerhalb der EU vereinheitlicht. Kontonummer und Bankleitzahl werden hierbei ersetzt durch IBAN und BIC. Einzugsermächtigungs- und Abbuchungsverfahren werden durch SEPA-Lastschriftmandate ersetzt. Da alle Nicht-Verbraucher, also alle Unternehmen, Vereine, Behörden etc. diesen Standard ab Februar 2014 anwenden müssen, besteht bei Ihnen unter Umständen Handlungsbedarf.

Insbesondere für Lastschriftmandate müssen Sie eine Gläubiger-ID (erteilt durch die Bundesbank) besitzen, jedem Zahlungspflichtigen eine eindeutige Mandats-Referenznummer erteilen und beides schriftlich mitteilen. Neue Lastschriftmandate müssen anhand eines Mustertextes erteilt werden.

Sammelüberweisungen in Papierform, wie wir sie zum Teil für unsere Lohnabrechnungen anbieten, fallen ab Februar 2014 ebenfalls weg.

13. Gelangensbestätigung

Spätestens ab dem 01.01.2014 muß für die Steuerfreiheit von innergemeinschaftlichen Lieferungen ein Nachweis über das Gelangen des gelieferten Gegenstands in das EU-Ausland erbracht werden. Dieser Nachweis kann mittels einer sog. Gelangensbestätigung erfolgen, die der Abnehmer zu unterschreiben hat. Auch andere Formen der Bestätigung sind ausreichend, sofern damit das Gelangen des Gegenstandes im EU-Ausland schriftlich dokumentiert wird (Frachtbrief, Konnossement, tracking-Protokoll etc.). Bei Abholung durch den Kunden ist praktisch nur eine nachträglich ausgestellte Gelangensbestätigung ausreichend. Wir raten in diesen Fällen dazu, vorerst mit Umsatzsteuer abzurechnen und bei Eingang der Gelangensbestätigung die Rechnung zu korrigieren und die Umsatzsteuer zu erstatten. (Muster im Downloadbereich)

14. Rechnungsangaben in besonderen Fällen, Gutschriften

Wird über einen Umsatz abgerechnet, der unter eine Sonderregelung fällt, so muß in der Rechnung gesondert auf die jeweilige Regelung hingewiesen werden („Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“, „Sonderregelung für Reisebüros“, „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelungen“, „Kunstgegenstände/Sonderregelungen“, „Sammlungsstücke und Antiquitäten/Sonderregelung“).

Gutschriften, das sind Rechnungen, die der Leistungsempfänger an Stelle des Leistenden ausstellt, müssen als „Gutschrift“ gekennzeichnet sein. Sie sind nicht zu verwechseln mit sog. kaufmännischen Gutschriften (Korrekturen / Minderungen zuvor ergangener Rechnungen)

15. Rettung des Vorsteuerabzuges durch Rechnungsberichtigung

Wird bei einer Betriebsprüfung der Vorsteuerabzug aufgrund formaler Mängel einer Eingangsrechnung versagt (z.B. fehlender Rechnungsadressat bei Rechnungsbetrag über 150,- €), so muß die entsprechende Rechnung berichtigt oder ergänzt werden, um den Vorsteuerabzug  zu erhalten. Bislang gewährte die Finanzverwaltung den Vorsteuerabzug in diesen Fällen erst zum Zeitpunkt der Korrektur, mithin also viele Jahre später mit entsprechender Verzinsung der zuvor versagten Vorsteuer.

Dies sieht der EuGH im Urteil vom 08.05.2013 („Petroma Transports“) anders, so daß eine Rechnungsberichtigung dazu führt, daß die Vorsteuer von Anfang abziehbar ist. Jedoch darf keine „Stornorechnung“ und eine neue Rechnung ausgestellt werden, sondern die Berichtigung muß durch ein zusätzliches Dokument oder eine Ergänzung der ursprünglichen Rechnung erfolgen.

16. Betriebsveranstaltungen und 110,- € Freigrenze

Ein bei Betriebsprüfern beliebtes Prüfungsfeld sind Betriebsveranstaltungen. Hier wird geprüft, ob die Freigrenze von 110,- € pro teilnehmendem Mitarbeiter überschritten wurde und somit Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht auf die Gesamtaufwendungen eintritt.

Der Bundesfinanzhof hier im Mai 2013 Erleichterung geschaffen, indem Ehegatten und andere Familienangehörige der Arbeitnehmer nunmehr mitgezählt werden können. Nehmen zum Beispiel 10 Arbeitnehmer jeweils mit Ihren Ehegatten teil, so werden bei der Ermittlung der Grenze die Kosten nunmehr durch 20 geteilt und nicht wie früher durch 10.

Daneben werden nur mehr solche Kosten bei der Ermittlung der Grenze berücksichtigt, die die Teilnehmer konsumieren können, dies betrifft Speisen und Getränke oder musikalische Unterhaltung, nicht jedoch zum Beispiel die Saalmiete.

17. Arbeitsverträge mit Angehörigen

…werden bekanntlich steuerlich nur anerkannt, wenn sie tatsächlich durchgeführt und fremdüblich sind. Es ist daher ratsam, einen Arbeitszeitnachweis zu führen, um Zweifeln der Finanzbehörden vorzubeugen.

18. Hinterlegung von Jahresabschlüssen

Sog. „Kleinstkapitalgesellschaften“ können auf Antrag den Jahresabschluß (ab 31.12.2012) beim Bundesanzeiger hinterlegen anstatt ihn zu veröffentlichen. Hinterlegt werden muß nur die Bilanz ohne Anhang. Die hinterlegten Unterlagen können nur gegen Gebühr beim Bundesanzeiger eingesehen werden.

Eine Kleinstkapitalgesellschaft unterschreitet nach § 267a HGB an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen mindestens zwei der folgenden Merkmale:

  1. 350.000,- EUR Bilanzsumme,
  2. 700.000,- EUR Nettoerlöse,
  3. durchschnittliche Mitarbeiteranzahl von 10.

19. Streubesitzdividenden in Kapitalgesellschaften

Besitzt Ihre Kapitalgesellschaft Aktien bzw. Anteile an anderen Kapitalgesellschaften, so sind Dividenden bzw. Gewinnausschüttungen seit 01.03.2013 nur dann nach § 8b KStG steuerfrei, wenn die Beteiligung mindestens 10% beträgt. Veräußerungsgewinne aus diesen Anteilen bleiben steuerfrei, unabhängig von der Beteiligungshöhe.

20. Lohnsteuernachschau 42g (4) EStG

Die Finanzbehörden können ab 2014 jederzeit unangemeldet Zutritt zu Ihren Betriebsräumen verlangen und sich alle Unterlagen, die für die Lohnsteuerberechnung von Bedeutung sein könnten, vorlegen lassen.

21. Rechengrößen in der Sozialversicherung ab 2014

Rechengröße West Ost
Beitragsbemessungsgrenze allgemeine Rentenversicherung 5.950 € / Mon. 5.000 € / Mon.
Beitragsbemessungsgrenze gesetzliche Krankenversicherung 4.050 € / Mon. 4.050 € / Mon.
Bezugsgröße in der Sozialversicherung 2.765 € / Mon. 2.345 € / Mon.

 

[Dez. 2013]

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